Wie wird der Schlaf vermessen?
Share
Menschen mit Schlafstörungen unterschiedlichster Natur haben häufig ernsthaft darunter zu leiden und möchten medizinisch abgeklärt wissen, woher diese Schlafstörungen kommen und was sie dagegen tun können. Ärzte, Kliniken, Schlafcoaches und Schlaflabore gehen den Schlafstörungen wie folgt auf den Grund:

Welche Methoden der Schlafanalyse gibt es?
- Erfassung der Schlafqualität durch geeignete Fragebögen, das diagnostisches Interview und die RNA-Analyse des Chronotyps
- Ermittlung der Schlafarchitektur durch ambulante Polygrafie, Polysomnografie sowie Erfassung der Stressregulation durch Herzratenvariabilitätsmessung HRV
- Ermittlung der korrekten Liegeergonomie
- Untersuchung des Schlafplatzes und Schlafraumes u.a. auf elektromagnetische Störfelder

Fragebögen und Interviews
Um herauszufinden, wie der Klient seinen eigenen Schlaf beurteilt, welche Schlafqualität er tatsächlich hat, was für ein Chronotyp er ist (Eule, Lerche, Taube), wie er sich ernährt, bewegt und wohnt gibt es eine Vielzahl von teils wissenschaftlich anerkannten Fragebögen, wie zum Beispiel den Pittsburgh-Schlafqualitäts-Index PSQI, die Vegetative Skala etc. sowie das diagnostische Interview zum Erkennen einer Insomnie. Aber auch das Führen eines Schlaftagebuches über 7 bis 14 Tage gibt Auskunft über Schlafereignisse und Gewohnheiten, die die Anamnese sinnvoll ergänzen. Relativ neu ist die RNA-Analyse von Haarfollikeln durch ein Labor zur genauen Ermittlung des individuellen Chronotyps (www.bodyclock.health).

Ambulante Polygrafie, Polysomnografie
Die Befragung mittels Interviews und Fragebögen ergibt eine erste oft subjektive Erkenntnis über mögliche Gründe für die Schlafstörungen des Klienten. Ist es notwendig mehr über die Schlafarchitektur oder sogar mögliche Schlafapnoen zu wissen, ist eine polygrafische Untersuchung unabdingbar. Der Arzt kann sich hier der Aktigraphie bedienen.
Dies ist eine nichtinvasive Messmethode der Ruhe- und Aktivitätszyklen des Klienten mittels eines entsprechenden Messgerätes; allerdings sind nur Aufzeichnungen von ca. 14 bis 30 Tagen sinnvoll, um verwertbare Ergebnisse zu bekommen. Eine deutlich kürzere und effektivere Methode ist die automatische Schlafstadienbestimmung mittels eines einfach anzulegenden Heimmessgerätes. Hier gibt es mehrere Methoden: die Aufzeichnung der Schlafstadien mittels Kopfelektroden, die Aufzeichnung der Atem-, Lage-, und Herzfrequenzdaten mittels Polygrafie im eigenen Bett oder mittels peripherer arterieller Tonometrie.
Bei allen Verfahren werden über ein bis drei Nächte die Schlafphasen und/oder das Schnarch- und Bewegungsverhalten aufgezeichnet. Der Arzt kann die Daten dann am PC auslesen und auswerten und somit erkennen, ob der Klient gegebenenfalls an einer gravierenden Schlafstörung leidet und an das Schlaflabor oder den Facharzt verwiesen werden muss oder ob es sich um eine nichtorganische Insomnie handelt. Des Weiteren kann mittels HRV-Messung (Herzratenvariabilitätsmessung) der aktuelle Stresslevel des Klienten ermittelt werden. Hier ist zwischen einer HRVscan Kurzanalyse via Fingerclip oder Brustelektroden und einer 24 Stunden-Langzeitmessung mittels Klebesensoren am Brustkorb zu unterscheiden. Beide Methoden ergeben Aufschluss über die Regenerationsfähigkeit des Organismus, über die Stressverarbeitung und die Burnout-Resistenz, wobei die Langzeitmessung natürlich genauer und aussagekräftiger ist (https://heartbalance.org/).

Liegeergonomie
Oftmals kommen Klienten zum Therapeuten oder Schlafcoach und berichten über Rücken- und Nackenschmerzen während des Schlafens oder nach dem Aufwachen. Das kann ein Zeichen für eine nicht (mehr) geeignete Schlafunterlage oder Kopfkissen sein. In diesem Fall empfiehlt sich zum einen die persönliche Inaugenscheinnahme von Bett, Matratze, Unterfederung und Kopfkissen beim Klienten zu Hause. Zusätzlich kann eine nichtinvasive Wirbelsäulenvermessung mittels Wirbelscanner im Stehen und Liegen auf der eigenen Matratze wertvolle Hinweise darauf geben, ob der Klient liegeergonomisch korrekt liegt oder ob es Mängel am Schlafplatz gibt.

Schlafplatz und Schlafraum
Um ein vollständiges diagnostisches Bild des Klienten zu bekommen ist es sinnvoll, sich auch den Schlafraum und die Umgebung des Schlafplatzes baubiologisch anzuschauen. Häufig kommen Schlafstörungen heute durch Einflüsse wie Elektrosmog, Ausdünstungen und Schadstoffe im Bett zustande. Ein Baubiologe kann mittels diverser Messmethoden nach dem Standard der baubiologischen Messtechnik und den 25 Grundregeln der Baubiologie (IBN) herausfinden, ob und welche schädigenden Einflüsse im Bereich des Schlafplatzes vorherrschen.
Ein Schlafcoach ohne baubiologische Ausbildung aber mit Kenntnissen in der Elektro- oder Geobiologie kann zumindest mittels geeigneter Messgeräte herausfinden, ob das Bett durch hoch- und niederfrequente Wellen gestört ist, ob also Elektrosmog den Schlaf empfindlich stört.
Natürlich wird der Arzt oder Schlafcoach nicht immer alle vier zuvor beschriebenen Diagnosemaßnahmen durchführen können. Manchmal reicht bereits die fragetechnische Anamnese völlig aus, manchmal möchte der Klient keinen Hausbesuch, ein anderes Mal ist keine technische Messmethode gewünscht. Aber ein guter Therapeut und Coach sollte zumindest über die entsprechenden Kenntnisse verfügen, um im Bedarfsfall vollumfänglich diagnostizieren zu können.

Das Ziel muss sein, die wahren Ursachen für die Schlafstörungen des Klienten herauszufinden, um diese dann mit bedarfsgerechten Lösungen gemeinsam mit dem Klienten therapieren zu können.